Wie ein katalanischer Dirigent das Bruckner-Akademieorchester zähmt

Reinhard Palmer – 7. April 2024 – SZ

Von 1983 bis 1993 war Jordi Mora (vorne) ständiger Chefdirigent des Münchner Jugendorchesters.
Foto: Nila Thiel

Dem katalanischen Dirigenten Jordi Mora gelingt mit dem Bruckner-Akademieorchester ein großer musikalischer Wurf. Den erleben aber nur wenige Zuschauer.

Am 4. September jährt sich Anton Bruckners Geburtstag zum 200. Mal. Für den katalanischen Maestro Jordi Mora mehr als Grund genug, bei der diesjährigen 30. Bruckner Orchester Osterakademie München eines der schönsten und beeindruckendsten Werke des Komponisten einzustudieren und dreimal öffentlich zu Gehör zu bringen.

Auch wenn beschämend wenige Gautinger am Samstag den Weg ins Foyer der Realschule fanden, um die eher seltene Gelegenheit wahrzunehmen, Bruckners 5. Sinfonie B-Dur zu erleben, wurde es ein fulminantes Fest großer Sinfonik, zumal zuvor Wagners Siegfried-Idyll sanft in die Klangmalerei des Abends einführte.

Kein leichter Einstieg für eine von der Uraufführung im Treppenhaus des wagnerschen Privathauses Meilen entfernte, enorme Orchesterbesetzung, verlangt doch dieses durch und durch romantische Werk vom ersten Ton an höchste Einfühlsamkeit und zarteste Stimmungen. Der kurze Moment des Glücks in Wagners turbulentem Leben, seine Geliebte Cosima heiraten und die Geburt eines Sohnes – der auch Siegfried heißen sollte – feiern zu können „diktierte“ Wagner eine sinfonische Dichtung in die Feder, die noch lange einen großen Einfluss auf die musikalische Nachwelt ausüben sollte. Ungeachtet dessen, dass drei der vier Themen aus dem gleichnamigen Drama stammen.

Dieser enge persönliche Bezug in der Behandlung des Materials ist in Wagners Musik eine Rarität, umso wichtiger daher in der Interpretation eine innige, berührende Klangformung. Erstaunlich, dass Jordi Mora mit seinem angesichts der großen Sinfonik geradezu asketischen Dirigat diesen voluminösen Klangapparat des Projektorchesters in der kurzen Zeit der intensiven Akademie so weit zu disziplinieren vermochte, geradezu kammermusikalisch schlank, feinnuanciert kolorierend und ausdrucksstark in diese Zauberwelt wagnerscher Glückseligkeit eintauchen zu können.

Der Dirigent schafft es, den voluminösen Klangapparat zu disziplinieren

Die Bläser erhoben sich nur hauchdünn über die warmtonige, weiche Streicherunterlage, die der Erzählung nahezu magische Stimmungen verlieh und sich plastisch an den von Mora angelegten schlüssigen Spannungsbogen schmiegte. Wohliger kann Wagner wohl kaum klingen. Fast zu viel der Schönheit, doch im Kontext des Konzertabends eine erhellende Interpretation, fand sich in Bruckners Sinfonie viel von dem Klangzauber wieder, hatte doch der nur elf Jahre jüngere Oberösterreicher in Wagner einen für seine musikalische Auffassung adäquaten Meister gefunden, auch wenn es diesen nicht im Geringsten tangierte. Zu brav und zu bürgerlich dürfte Bruckner dem weltgewandten Wagner vorgekommen sein.

Das vielköpfige Orchester gilt es erst einmal zu zähmen.
Foto: Nila Thiel

Tatsächlich liegen das Siegfried-Idyll und die Brucknersinfonie formal gesehen weit voneinander entfernt. Während die sinfonische Dichtung Wagners durch den Komponisten verbürgt ausnahmsweise einer rein intuitiven, emotionalen Choreographie folgt, hielt sich Bruckner in diesem Werk ungewöhnlich streng an tradierte kompositorische Techniken, bis zur monumentalen Fuge mit Schlusschoral im Finale, wohl um seine Anstellung an der Wiener Universität fürs Fach Harmonielehre und Kontrapunkt zu untermauern.

Jordi Mora war es deutlich sehr daran gelegen, in seinem Dirigat den Weg von der Siegfried-Atmosphäre in der Introduktion bis zur Klangekstase im Schlusssatz mit Pauken, Schmetterblech und was sonst noch dieser gewaltige Orchesterapparat mit vielfacher Besetzung der Bläser wie einer überwältigenden Kontrabasssektion im riesigen Streicherpart hergibt, also über die vier Sätze hinweg einer alles umfassenden Entwicklung zu unterziehen.

Zumal Bruckner ja Beethovens Neunte die Idee eingeflüstert hatte, die Themen der Sinfonie im Schlusssatz aufzugreifen, daher auch Formal der ganzheitlichen Auffassung das nötige Material an die Hand zu legen. Das mag irgendwie vereinheitlichend klingen, hatte aber nichts dergleichen im Sinn. Bruckners Entwicklungen sind niemals linear, sie sind vielmehr hinter einem unentwegten, extremen Auf und Ab verborgen.

Die Streicher verleihen der Erzählung nahezu magische Stimmungen

Und nicht nur das war für ein Projektorchester eine enorme Herausforderung. Bruckner ging auch in den spieltechnischen Anforderungen in die Vollen, ließ kaum eine Möglichkeit aus, die Klangsubstanz zu differenzieren. Aber auch hier zeigte sich das Akademieorchester gewandt genug, all die Finessen einhellig zu bewältigen.

Insbesondere die Blechbläser in ihren scharf rhythmisierten Attacken der gewaltigen Eruptionen bewiesen höchste Präzision. Bemerkenswert auch die solistischen Bläsergesänge oft über Pizzicato-Streichern, die Bruckners sanglich-sinnierende Ader beeindruckend zu exponieren vermochten. Ein großer Wurf, der mehr Beachtung verdient hätte.

3-fache Premiere

Bruckner Akademie Orchester  – 29.03.2018 – openPR

Die. 26. Osterakademie begeht das Bruckner Akademie Orchester mit einer Handvoll “Premieren”: zum ersten Mal spielt es Mahler, zum ersten Mal auch ein Klavierkonzert, zum ersten Mal haben sie zwei Solistinnen zu Gast. Wie immer aber gastieren sie nach einer intensiven Probenwoche am ersten Montag nach Ostern im Münchner Herkulessaal.

Das Bruckner Akademie Orchester, das im vergangenen Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiern konnte, widmet sich in seiner Osterakademie erstmals einer Sinfonie von Gustav Mahler, nämlich der vierten, die einen Gesangspart aufweist.

Die spanische Sopranistin Mireia Pintó konzertiert als Opern-, Oratorium- und Liedsängerin mit namhaften Dirigenten in bedeutenden Sälen und Opernhäusern Europas. Sie ist Professorin für Gesang und Liedgesang an der ESMuC, der Musikhochschule Katalonien in Barcelona.

Solistin in Beethovens Klavierkonzert c-Moll ist Ottavia

Maria Maceratini, die in Recanati/Italien geboren wurde und ihr Studium an der Musikhochschule München absolvierte. Als Solistin trat sie u.a. bereits in Rom, Mailand, München, Berlin und Wien und auf diversen Festivals auf (u.a. Schleswig-Holstein Musik Festival). Sie hat zwei viel beachtete CDs eingespielt.

Das Orchester nur mit seinem Maestro ist an diesem Abend zu erleben mit der Ouvertüre „Ruy Blas“ von Mendelssohn-Bartholdy – Fans freuen sich auf das innige Zweigespräch zwischen Musiker und Dirigent.

Karten gibt es unter www.muenchenticket.de, T: 089-54 81 81 81, an den bekannten VVK-Stellen und an der Abendkasse. Mehr zum Orchester, seiner Geschichte und seinem „spiritus rector“ Jordi Mora unter www.bruckner- akademieorchester.de.

Im 1992 gegründeten Bruckner Akademie Orchester treffen sich jährlich an Ostern Instrumentalisten verschiedensten Alters hauptsächlich aus München, aber auch aus dem In- und Ausland (Holland, Spanien, Italien, Argentinien, USA), um unter der Leitung von Jordi Mora große sinfonische Orchesterwerke zu erarbeiten und bei Konzerten in und um München öffentlich vorzutragen.

Das Bruckner Akademie Orchester zeichnet sich durch die lebendige Art der methodischen Orchesterarbeit und durch ungebremste Freude am Musizieren aus. Der hohe Asnpruch der Programme und die hervorragende

Resonanz haben dieses aus engagierten Laien, Musikstudenten und Berufsmusikern bestehende Orchester längst vom Amateur-Niveau abgehoben. Geblieben sind der Enthusiasmus und die Experimentierlust, die das Bruckner Akademie Orchester für Musiker und Zuhörer gleichermaßen attraktiv machen.

Der Name des Orchesters entspricht der Zielsetzung, vor allem das sinfonische Schaffen Bruckners regelmäßig einzustudieren und aufzuführen. So wurden inzwischen fast alle Sinfonien Bruckners, aber auch u.a. Tschaikowsky „Pathétique“, César Francks d-moll-Sinfonie, Siblius ́ 2., Schostakowitschs 5., 7. und 9. Sinfonie und „Tod und Verklärung“ von Richard Strauss gespielt. Im Jahr 2002 wurde zum 10-jährigen Gründungsjubiläum mit großem Erfolg das „Deutsche Requiem“ von Brahms aufgeführt.

Der Erfolg der Osterakademie hat außerdem dazu geführt, dass seit 1999 regelmäßig ein weiteres Treffen im Herbst stattfindet, das den Namen „Münchner Interpretationstage“ trägt. Als Ergänzung zur Osterakademie werden während dieser Arbeitsphase Orchesterwerke für eine kleinere sinfonische Besetzung bzw. für eine reine Streicher- oder Bläserbesetzung erarbeitet.

Gabi Sabo
die kulturbananen
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Das vergessene Violinkonzert

Sonntag, 08.11.2015 19 Uhr
KUBIZ Unterhaching
Bruckner Akademie Orchester
Rebekka Hartmann, Violine
Jordi Mora, Leitung

Robert Schumann (1810-1856) Konzert für Violine und Orchester in d-moll WoO1
Ludwig van Beethoven (1770-1827) Symphonie Nr. 4 B-Dur op.60

Welch ein Konzert! Auch wenn ich nur den fast letzten ergatterbaren Platz in der ersten Reihe ganz links außen bekam – dafür konnte ich Solistin, Dirigent und die Musikerinnen und Musiker beim Neuentstehen dieser beiden fabelhaften Stücke nahezu hautnah erleben. Und ein Erlebnis der ganz besonderen Art war dieser ganze Abend im ausverkauften KUBIZ in Unterhaching.
In einem bodenlangen blauen Kleid kam Rebekka Hartmann mit ihrer Stradivari von 1675 auf die Bühne. Schumanns Violinkonzert, sein letztes vollendetes Orchesterwerk, galt lange Zeit erstens als unspielbar und zweitens meinte man, die Geisteskrankheit des Komponisten darin zu hören und zu spüren. (Wer über dieses sehr merkwürdige Kapitel im Leben des Komponisten Robert Schumann mehr erfahren möchte, tut gut daran, das hervorragende Buch von Eva Weisweiler über Clara Schumann zu lesen, denn die Rolle der Ehefrau Roberts ist alles andere als klar und eindeutig. Sie war es ja auch zusammen mit dem Widmungsträger Joseph Joachim, die das Werk erst gar nicht aufführen ließen, sehr merkwürdig, aber die Rezeptionsgeschichte dieses Werkes weist noch mancherlei Merkwürdigkeiten auf.)
Aber all das war vergessen und spielte gar keine Rolle mehr, als Orchester und Solistin diese wundervolle Musik zum Erklingen brachten. Nach einer machtvollen Einleitung setzt die Solistin mit dem gleichen gewaltigen Thema machtvoll ein und führt über zu einem sehr lyrischen Seitenthema, das Orchester begleitet die Geige zurückhaltend, hat dazwischen immer wieder Tutti-Stellen, Geige und Orchester stehen wie zwei erratische Blöcke gegeneinander. Natürlich spielte Rebekka Hartmann – wie es bei ihr gar nicht anders vorstellbar ist – mit Leib und Seele, die Körpersprache ist einfach hinreißend und macht die in diesem Konzert innerwohnende Energie und Kraft auch äußerlich deutlich mit ihrer Bewegtheit und der Phrasierung, die das melodische und harmonische Erklingen mitträgt. Schumann als Melodiker kommt am intensivsten im zweiten – langsamen – Satz zum Vorschein, und immer wieder während der drei Sätze überraschen seine unerhörten harmonischen Wendungen.
Jordi Mora und das Bruckner Akademie-Orchester, das in den Streichern aus Laien exzellenten Schliffs zusammengesetzt ist, gaben der Solistin die bestmögliche Begleitung und den Raum, dass sich Rebekka Hartmanns wunderbares Spiel völlig entfalten konnte und den ganzen Saal danach zu Begeisterungsstürmen hinriss. Sie „musste“ noch eine Zugaben spielen: von Fritz Kreisler Rezitativ und Capriccio op. 6. Noch einmal versprühte sie mit ihrer Geige ein musikalisches Feuerwerk erster Güte.
Nach der Pause folgte die nicht allzu häufig gespielte vierte Symphonie von Ludwig van Beethoven, die er 1806 zwischen der „Eroica“ und der „Fünften“ komponierte. In München war sie erst vor kurzem mit dem Bayerischen Rundfunk-Symphonie-Orchester unter Herbert Blomstedt zu hören gewesen. Aber was ich heute Abend an Musik „in statu nascendi“ vom Bruckner Akademie Orchester unter Jordi Mora zu hören bekam, machte meine Ohren staunen und eröffnete teils völlig neue Erlebnisse. Schon der Beginn des ersten Satzes mit dem eindrucksvollen, fast düsteren Thema kam in aller Ruhe – schließlich steht auch Adagio als Tempovorgabe über den Noten – bevor im Takt 39 das Allegro vivace die volle Wucht und Kraft der Beethoven’schen Klangsprache zeigt.
Himmlische Melodien hat Beethoven ja häufigst geschrieben, auch wenn er für vieles – wie man an seinen Notizbüchern sehen kann – schwer gearbeitet hat, bis diese „Himmlischkeit“ seinen Melodien eignete. Immer wieder ist es eine Beglückung, seinen Adagio-Sätzen – wie hier dem zweiten – zuzuhören und sich in andere Gefilde mitnehmen zu lassen.
Im dritten Satz – hieß es im Programmblatt – streiten die zwei Grundrhythmen der westlichen Musik, der Zweier- und der Dreiertakt miteinander. Im Bayerischen heißt das „Zwiefacher“. Und mit dieser einfachen aber stimmigen Erklärung war ich der rhythmischen „Raffinesse“ dieser Musik nicht mehr ganz so hilflos ausgeliefert. Jordi Mora ließ dieses Allegro vivace und das Trio in voller tänzerischen Kraft und Eleganz entstehen, die Musikerinnen und Musiker spielten mit aller Lust und Freude merklich animiert, keiner saß bei seinem Spiel etwa angelehnt auf seinem Stuhl, wie man das durchaus bei einigen Berufsorchestern immer wieder sehen kann.
Das Finale machte mir ganz besonders deutlich, was für ein Vorgänger als Symphoniker Beethoven auch für Schubert war, der sich ja sehr oft in dessen Schatten stehend fühlte. Beethovens Musik ist auch heute noch – vor allem, wenn sie so entsteht und „aus der Taufe“ gehoben wird wie an diesem denkwürdigen Abend im Kubiz in Unterhaching vom Bruckner Akademie Orchester und seinem Leiter Jordi Mora – ein tief bewegendes und anrührendes Erlebnis.
Donnernder Applaus für Orchester und Dirigent. Und auch von mir ein ganz großes Dankeschön für dieses wunderbare Geschenk.

Ulrich Hermann, November 2015

Romantisches Osterkonzert mit Joel Bardolet

Bruckner Akademie Orchester – 11.04.2014 – openPR

Das Bruckner Akademie Orchester widmete sich in der Klausur in Benediktbeuren anlässlich seiner Osterakademie 2014 zwei großen Werken der Romantik, bzw. Spätromantik: dem Violinkonzert von Jean Sibelius, das 1905 in seiner endgültigen Fassung uraufgeführt wurde, und der Symphonie Nr. 4 von Anton Bruckner. Beide Werke kommen im Konzert am 28.4. 2014 im Münchner Herkulessaal zur Aufführung. Dirigent ist Jordi Mora, Solist Joel Bardolet an der Violine.

Joel Bardolet studierte in Barcelona und an der Musikhochschule Freiburg und erhielt wichtige Impulse in zahlreichen Meisterkursen. Seit seinem Debüt 2009 im Palau de la Música in Barcelona konzertierte er als Solist mit diversen Orchestern. Bardolet ist Preisträger zahlreicher Wettbewerbe und arbeitet seit seinem 12. Lebensjahr intensiv mit dem Dirigenten Jordi Mora zusammen. Zur Zeit absolviert er ein Masterstudium in der Soloklasse von Rainer Schmidt an der Musikhochschule Basel und ist 2014 als Solist vom Sinfonieorchester Basel eingeladen. Joel Bardolet spielt eine Vuillaume-Geige aus dem Jahr 1813.

Gabi Sabo
die kulturbananen
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Jubiläumskonzert am 16.04.2012 im Münchner Herkulessaal

Bruckner Akademie Orchester – 10.04.2012 – openPR

Vor zwanzig Jahren kamen bei einer Fahrt zum Auftritt fünf Musiker des Münchner Jugendorchesters ums Leben. Tief erschüttert versammelten sich ihre Kollegen und Freunde und gaben unter ihrem Dirigenten Jordi Mora ein Gedenkkonzert in der Münchner Lukaskirche. Die ergreifende Aufführung mündete in den Entschluß, von nun an jedes Jahr zur Osterzeit eine Klausur in Benediktbeuren mit anschließendem Konzert zu veranstalten.

Das also 1992 gegründete Bruckner Akademie Orchester erarbeitet unter der Leitung seines Dirigenten und ’spiritus rector‘ Jordi Mora große Werke der Klassik und Romantik. Der hohe Anspruch der Programme, Enthusiasmus und Experimentierlust zeichnen das semi-professionelle Ensemble aus und machen es für Musiker und Zuhörer gleichermaßen attraktiv. Der Name des Orchesters entspricht dabei seiner Zielsetzung, sich regelmäßig dem sinfonischen Schaffen Anton Bruckners zu widmen.

Im Jubiläumsjahr steht mit Bruckners achter Sinfonie ein Werk von monumentalen Ausmaßen auf dem Programm.

Die Uraufführung am 18. Dezember 1892 in Wien wurde zum Triumph für den bereits 68-jährigen Komponisten. Hugo Wolf schrieb damals: „Diese Symphonie ist die Schöpfung eines Giganten und überragt an geistiger Dimension, an Fruchtbarkeit und Größe alle anderen Symphonien des Meisters.“

Gabi Sabo
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Vogelpredigt, Kamel und Gott: Jordi Mora und die Bruckner Akademie München mit Bruckners Achter

(nmz) – Der Spruch ‚Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten’ wird üblicherweise in moralischem Sinne gebraucht. Doch eigentlich bezieht er sich auf eine völlig natürliche Angelegenheit, und so wollen wir ihn hier auch verstehen. Sergiu Celibidache war eine so überragende Musikerpersönlichkeit, dass es für diejenigen Schüler, die ihn jahrelang begleiteten, so gut wie aussichtslos erscheinen musste, dem sich daraus ergebenden Anspruch jemals gerecht werden zu können. Und so ist es kein Wunder, wenn sie sich eigentlich alle noch auf viele Jahre hinaus nach seinem Tod nicht aus seinem Schatten lösen konnten. Allmählich setzte bei manchen die Erkenntnis ein, was es wirklich bedeutete, wenn er sagte: ‚Du musst es dir zu eigen machen.’
Einer der engsten und leidenschaftlichsten Schüler Celibidaches bis in die achtziger Jahre war der Katalane Jordi Mora. Als er mit dem Dirigieren begann, dauerte es nur noch wenige Jahre, bis er von seinem Mentor Abschied nahm und auf sich alleine gestellt seinen Weg suchte. Freilich blieb er den erlernten Prinzipien innerlich treu, wenngleich es einer langen Zeit des Reifens – und auch leidvoller Erfahrungen – bedurfte, um tatsächlich in die Lage zu kommen, allmählich all das umzusetzen, was eben weit über gewöhnliches Dirigentenhandwerk (das es ebenso braucht) hinausreicht.
Mora gründete vor zwanzig Jahren mit den verbliebenen – und mittlerweile nicht mehr so jungen – Mitgliedern seines Münchner Jugendorchesters die Bruckner Akademie München, mit denen er alljährlich eine ‚Osterakademie’ veranstaltete – eine intensive Probenphase mit abschließenden Konzerten. Die Gründung erfolgte nach einem tragischen Ereignis, als fünf der besten jungen Musiker seines Umfelds bei einem unverschuldeten Autounfall ums Leben kamen. Inzwischen trifft sich das Orchester zu zwei Arbeitsphasen pro Jahr, und das erarbeitete Repertoire umfasst u.a. Bruckners Symphonien Nr. 1-9 und eine Vielzahl großer symphonischer Werke von Bach, Haydn, Mozart, Schubert, Schumann, Wagner, Franck, Brahms, Bizet, Dvorák, Richard Strauss, Sibelius, Ravel, Strawinsky, Hindemith, Prokofieff, Schostakowitsch, Arvo Pärt und vielen anderen.
Das zwanzigjährige Bestehen des Orchesters fiel in diesem Jahr zusammen mit dem 100. Geburtstag von Sergiu Celibidache, und so war es für Mora und seine Mitstreiter, die heute zu 50 Prozent aus passionierten Amateuren und zu 50 Prozent aus Profis, darunter einer beträchtlichen Zahl Spanier, bestehen, eine Ehrensache, das Jubiläumskonzert seinem Andenken zu widmen, und dafür wählte man die Bruckner-Symphonie aus, die Celibidache als die ‚Krone der Symphonik’ bezeichnet hat: die Achte, die aufgrund des architektonischen Spannungsverhältnisses zwischen dem unerlösten Schluss des Kopfsatzes und der Auferstehung des Hauptthemas (als katastrophische Apotheose) unmittelbar vor der Coda des Finales als Ganzes einen bezwingenden energetischen Zusammenhang bildet wie kein anderes Großwerk der gesamten symphonischen Literatur.
Eine sehr ambitionierte Angelegenheit also, die dem Publikum im Herkulessaal der Residenz – dem trotz einer gewissen Überakustik für die klangliche Mannigfaltigkeit und Geschlossenheit des großen Orchesters nach wie vor geeignetsten Münchner Konzertsaal – vorgestellt wurde. Natürlich kann ein Orchester mit so vielen – zweifelsohne sehr guten – Laienmusikern, so intensiv sie auch geprobt haben mögen, hinsichtlich relativer Makellosigkeit der Klangerzeugung und besonders in den Momenten massiver Kraftentfaltung den renommierten Profi-Orchestern nicht das Wasser reichen. Doch dafür werden gewisse Schwächen an der Basis teilweise mehr als aufgewogen mit einer Aufmerksamkeit, gemeinschaftlichen Intensität und Hingabe, wie sie viele hartgesottenen Berufsmusiker nur noch schwerlich aufbringen wollen.
Die Musik war in den verschachtelten Details, der kontrapunktischen Auffächerung und Prioritätenverteilung, der suggestiven Realisierung des harmonischen Spannungsverlaufs, der Kantabilität der Phrasierung, der orchestralen Transparenz, der Verschmelzung innerhalb der opponierenden Gruppen, der delikaten Ausbalancierung von Holz, Streichern und Blech, der sinnfälligen Gegenüberstellung und Durchführung der kontrastierenden Charaktere, in der Verwirklichung der großen Form bestechend substanziell einstudiert. Darüber hinaus entfacht Mora in den rechten Momenten ein ekstatisches Feuer und versteht es, lange angelegte Steigerungen atmend und ohne Absackungen aufzubauen und ebenso die Phasen der Entspannung so zu strukturieren, dass keine Spur von Erschlaffen eintritt.
Alles Geschehen ist bei ihm von einer meist untrüglichen Phrasierung der Basslinie aus gelenkt. Und überdies, ein älterer Herr hat es so treffend formuliert, dass ich es gerne über nehme: „Das Orchester frisst ihm aus der Hand wie die Vögel dem heiligen Franz.“ Hinzu kamen Ausnahmeerscheinungen wie eine erst 17-jährige Paukistin, die mit einer Kraft, einem mitreißenden Schwung, einer feinabstimmenden Vollendung und einer Bewusstheit des Phrasierens spielte, wie wir das sonst allenfalls von Peter Sadlo gehört haben. Ungern hebe ich einen einzelnen Satz heraus, doch das Adagio war ganz besonders gelungen. Und wer beim Eintritt des ‚Todesthemas’ kurz vor dem Schluss der Symphonie nicht zutiefst ergriffen war, dürfte auch andernorts schwerlich aufzurütteln sein.
Mora hat in seinem Dirigat nichts unternommen, um sich äußerlich von dem, was wir von Celibidache gehört haben, zu unterscheiden. Er hat es zu seinem gemacht, was bedeutet, das er mit einer bewundernswerten Freiheit der Geste und des Ausdrucks eine Authentizität vermittelte, wie dies nur in seltenen Sternstunden des Konzertlebens geschieht und noch weit seltener in solch bewusster Strukturation einer so kolossal aufgipfelnden symphonischen Kathedrale. Es war sozusagen wie bei einem Low-Budget-Film, der es zum Blockbuster bringt. Indem der Dirigent aus dem übermächtigen Schatten seines Meisters heraus getreten ist, ging eine Maxime auf, die im Islam den Ausdruck in folgendem Satz findet: ‚Binde dein Kamel – und vertraue auf Gott.’ Womit, wenn einer, dann der Katholik Bruckner gewiss einverstanden gewesen wäre.

Christoph Schlüren, München, April 2012

Osterkonzert des Bruckner Akademie Orchesters

Bruckner Akademie Orchester – 11.03.2011 – openPR

Richard Wagner: Lohengrin:

Vorspiel zum I. Akt und Vorspiel zum III. Akt Tristan und Isolde: Vorspiel und Isoldes Liebestod Johannes Brahms: Sinfonie Nr. 4 e-moll op. 98

„Begeistert und begeisternd“ (SZ): Das Bruckner Akademie Orchester unter der künstlerischen Leitung des katalanischen Dirigenten Jordi Mora trifft sich zweimal jährlich zu einer konzentrierten Arbeitsphase. Durch seine methodische und lebendige Orchesterarbeit und den hohen Anspruch seiner Programme ist das Bruckner Akademie Orchester zu einer Plattform für ambitionierte Musiker aus dem In- und Ausland geworden.

Das aktuelle Programm mit Wagner und Brahms verbindet zwei Musiker, die zeitlebens eher kühle Distanz wahrten, da sie sich verschiedene Lagern zugehörig wähnten – neudeutsche vs. dauerhafte Musik. Abgesehen von den unterschiedlichen Genres, in denen die beiden Komponisten arbeiteten, bietet das Programm die Möglichkeit, selbst die Differenzen und Berührungspunkte auszuloten. Die Kompositionen zählen zu den jeweiligen Hauptwerken beider.

Wagners romantische Oper Lohengrin, in den 1840er Jahren entstanden, wurde am 28. August 1850 in Weimar unter dem Dirigat von Liszt zum ersten Mal aufgeführt. In den beiden berühmten Vorspielen ist bereits die Leitmotivtechnik hörbar: bei dem zum 1. Akt wird das Motiv des Heiligen Grals vorgestellt, bei dem zum 3. Akt erstehen orchestral die Hochzeitsfeierlichkeiten.

Die Uraufführung von Wagners Tristan und Isolde fand am 10. Juni 1865 in München unter der Leitung von Hans von Bülow statt. Das Vorspiel dazu war allerdings bei einer ersten konzertanten Aufführung 1860 vom Publikum abgelehnt worden. Die Schlussmusik, die heute meist als „Liebestod“ bezeichnet wird, nannte Wagner selbst übrigens „Isoldes Verklärung“.

Brahms, der letzte Klassiker und gleichzeitig weit voran auf dem Weg zur Romantik, dirigierte selbst die Uraufführung seiner letzter Sinfonie am 25. Oktober 1885 in Meiningen. Das ungewöhnliche, beeindruckende Werk mit der mittlerweile wohl bekannten Chaçonne im 4. Satz stieß zunächst auf gemischte Reaktionen von enthusiastischem Beifall bis zu schroffer Ablehnung. Für Brahms ist die Vierte ein Schlusspunkt. Obwohl er noch zwölf Jahre lebt, komponiert er bis zu seinem Tod keine großen Orchesterwerke mehr.

Gabi Sabo
die kulturbananen
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Elementares Hörerlebnis

Unterhaching – Hin und wieder gibt es sie doch: die elementaren Hörerlebnisse im Landkreis. Diesmal war das Unterhachinger Kubiz der Ort für Interpretationen, deren menschliche Direktheit und musikalische Tiefe berührte, ja fesselte. Auf dem trauergeränderten Programm: Johannes Brahms` „Deutsches Requiem“ mit dem alle Jahre wieder in der Gemeinde gastierenden Münchner Bruckner Akademie Orchester als Interpreten und dem debütierenden Mozart Vokalensemble und der Andechser Chorgemeinschaft als Newcomer.
Nach der Pause dann noch die viel zu selten aufgeführte „Trauermusik für Bratsche und Streichorchester“ von Paul Hindemith. Beide Werke werden, obwohl in Form und Musiksprache himmelweit voneinander getrennt, von einer Sehnsucht bestimmt, die den Tod letztendlich als einzige Lösung oder Auflösung inneren Leidens anstrebt.
Doch zum Finale hin triumphieren beidemale doch die christlichen Grundpfeiler von Glaube, Liebe und Hoffnung. „Tod, wo ist Dein Stachel“, Hölle wo ist Dein Sieg“, lässt Brahms in seinem Requiem den Chor geradezu herausfordernd triumphieren. Die Andechser Choristen unter Anton Ludwig Pfeil tragen dies mit unwiderstehlichem Impetus vor, der den Zuhörer auf sein eigenes Ich zurückwirft. Gläubigkeit im weitesten Sinn also, ohne verordnete Geistlichkeit und ohne sportive Vordergründigkeit – spirituelle Tiefe eben. Ihr fühlen sich die Musiker und zwei hervorragende Solisten, Christa Landshammer und Oliver Weidinger, gleichermaßen verbunden.
Was den Dirigenten Jordi Morda und sein Orchester im Falle von Brahms besonders auszeichnet, ist eine Flexibilität von hohen Graden. Flexibilität heißt hier selbstverständlich nicht Beliebigkeit, sondern konsequentes Eingehen auf die tiefere Substanz einer Musik. Er bringt sie zum Jordi lässt Interpreten ausmusizieren Atmen, zum Pulsieren. Piano-Flächen sind durchblutet, die Steigerungen, die im Requiem die Wandlung von Trauer in Zuversicht und in freudige Gewissheit des ewigen Lebens vollziehen, nimmt Jordi maßvoll.
Da ist ein Maestro am Werk, der sich auf der Suche nach Ausdruck nicht in Extrembereiche vor wagen muss, sondern seine Spieler episch ausmusizieren lässt und ihnen eine plastisch modellierte Deutung abverlangt. Eine Deutung, die den melodischen Zauber der Soli, die Kraft und Anmut der geschwungenen Themenbögen unterstreicht. Christa Landshamers engelhafte Soprantöne, die dem Zuhörerherzen in nebelgrauen Zeiten Trost spenden und Oliver Weidingers in der Todesfurcht satt timbrierter tragfähiger Bariton fügen sich ohne Allüren ins Gesamtkonzept.
Zum Glück löst sich die Musik Paul Hindemiths zunehmend aus den Fronten ideologischer Auseinandersetzung: wie Moderne zu sein habe. Seine „Trauermusik“ verzichtet auf die dem Komponisten nachgesagte lapidare Sachlichkeit und ergibt sich nachromantisch spröder Emphase. Das Orchester legt eine bemerkenswerte Klangsensibilität an den Tag und Mechthild Sommer, Viola, gestaltet die Soli in zartem Klageton.

Von Manfred Stanka

Bruckner Akademie Orchester erregt Begeisterung

Seite R 6 / Süddeutsche Zeitung Nr. 76 / LKS
Unterhaching/Unterschleißhein

Fackel weitergetragen

Zwei Bürgerhäuser im Landkreis München boten ihrem Publikum zum Ausklang der Osterwoche ein ergreifend schönes, ein herrliches Konzert – im Norden Unterschleißheim, im Süden Unterhaching. Das dritte und letzte Konzert fand am Montag im Herkulessaal der Residenz statt.
Das Bruckner Akademie Orchester musizierte unter der Leitung seines Dirigenten Jordi Mora. Dieses im Wesentlichen aus Moras bahnbrechender Arbeit mit dem Münchner Jugendorchester hervorgegangene Großensemble, immer noch auffallend jung und mit Profis, Studenten sowie ausgezeichneten Laien besetzt, hat sich zu einem hervorragenden Klangkörper entwickelt.
Der Konzertabend begann mit dem Cellokonzert von Anton Dvoräk. Bereits beim großen, sinfonisch angelegtem Orchestervorspiel nahm man mit Staunen und Bewunderung wahr, wie rund und geradezu samtig der Streicherklang geworden ist, wie geschlossen und diszipliniert (also nicht etwa grob auftrumpfend) die Blechbläser als musikalische Gruppe auftreten und wie geschmeidig die Holzbläser, voran die bei böhmischer Musik so wichtigen Klarinetten, ihre Soli bliesen und ihre Klangfarben einbrachten. Böhmische Musik ist dieses Cellokonzert, obwonl es Dvoräk noch als letztes Werk in New York geschrieben hat; denn in ihm wurde die Sehnsucht nach der böhmischen Heimat zur Musik
Die Interpretation war nicht vorwiegend slawisch leidenschaftlich, sondern eine beglückende Mischung aus seelenvollem Musizieren und Eleganz. Der Solist, Lluis Claret, verbindet die Vorzüge der russischen Schule, etwa um Rostropowitsch, mit der Eleganz der französischen. Sein unerhört souveränes Spiel mit sehr differenzierter Tongebung vom markanten Fortissimo im großen, von energischem Bogen erzeugten, doch immer eleganten Ton bis zum zarten Piano faszinierte vom ersten Augenblick an. Immer „singt“ sein
Cello. Das ergab herrliche Dialoge – mit dem Orchester, das unter Jordi Mora Dvoráks Musik in vergleichbarer Weise interpretierte, und mit dem ersten Geiger, Emanuel Wiesler, der mit Claret ein Doppelsolo wie aus einem Guss spielte. Die Freude an solchem Musizieren war an den Gesichtern der Musiker abzulesen und aus jeder Wendung herauszuhören. Ein baskisches Wiegenlied war Lluis Clarets innig gespielte Zugabe.
Jordi Mora ist unter allen Celibidache-Schülern der ausgewiesene Bruckner-Spezialist, der die Fackel dieser legendären Interpretationen weiterträgt. Diesmal ging es um Bruckners „Sechste“ der Walter Abendroth schrieb, sie gehöre zu den unmittelbar begreiflichen“. Bruckner selbst sah sie als „die Kühnste“. Mora hat sich in seiner Deutung Bruckners Sicht angeschlossen und arbeitete die Strukturen dieser erhabenen Komposition deutlich heraus, gestaltete mit größtem Einsatz, riss seine Musiker zu Höchstleistungen mit und machte die Symphonie so für seine Musiker und die Zuhörer tatsächlich „begreifbar“ und noch weit mehr: Er begeisterte mit und für Anton Bruckner.

ADOLF KARL GOTTWALD

Zwei großartige Riesenwerke der Musikliteratur

BAO 2007

Bruckner Akademie Orchester zeigt sich in Hochform

Das Zweite Klavierkonzert von Brahms und Tschaikowskis Fünfte Sinfonie an einem Abend was für eine Herausforderung! Und was für ein Glücksfall: Beide Werke gehören zu den großartigsten der Musikliteratur überhaupt. Sie tragen die Handschrift des reifen Alters, leuchten vor innerem Reichtum, stehen an epochalen Nahtstellen und sind trotz ihrer Abgeklärtheit technisch extrem schwierig zu bewerkstelligen. Die Aufführung dieser beiden romantischen Riesenwerke dauert über zweieinhalb Stunden, und wenn Dirigent und Orchester nicht absolut in Form sind und aus der Genialität dieser Musik Mittelmaß machen, kann die Zeit unerträglich lang werden. Doch die Unterhachinger wurden belohnt: Der aus Barcelona stammende Dirigent Jordi Mora hatte im vollen Kubiz eine weitgehend glückliche Hand. Er steuerte sein Schiff, das vorwiegend aus Laien bestehende Bruckner Akademie Orchester, souverän durch die acht Sätze, die sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts so eigenwillig gegen Avantgarde-Strömungen stemmten und klassisch-romantische Traditionen kurz vor ihrem Zusammenbruch noch einmal in Reinform erblühen ließen. Das Orchester und der Pianist Alexander Panizza verstanden sich vorzüglich auf die klassizistische Tonsprache in Brahms Klavierkonzert: Eine Dynamik, die im Gravitationszentrum eines strahlenden Mezzoforte kreiste, irrlichternde Klangfiguren, perlende Oktavtrillerketten und über alledem der Glanz eines überaus schön intonierenden Hornes: In Sachen Lyrik blieben keine Wünsche offen. Vor allem das entrückte Adagio bezauberte mit seinem Dialog zwischen Cello und Klavier. Im zweiten Satz wird das Liebesgeflüster zur Klage Panizza beging im Mittelteil Gott sei Dank nicht den Fehler, das Tempo zu forcieren, paradiesisch schön tropfte vielmehr Ton für Ton, wie hinter einem Schleier flimmerten diese von Hitze durchtränkten Klänge. Nur schade, dass bisweilen der epische Schwung auf der Strecke blieb: Vor allem der Kopfsatz hätte entfesselter sein können, doch Jordi hatte einfach nicht den Mut, das strenge Taktgefüge zugunsten impressionistischer Freiheiten aufs Spiel zu setzen. Ein Manko, an dem auch Tschaikowskis Schicksalssinfonie litt: Mehr Experimentierlust mit dem Tempo hätte man sich hier vor allem gewünscht. Doch dafür arbeitete der Spanier die Instrumentengruppen extrem sauber heraus: Wunderbar, wie sich im zweiten Satz der Dialog zwischen Oboe, Horn und Klarinette entfaltet, das Liebesgeflüster zu einer Klage anschwillt und sich unversehens im Netz fein gesponnener Abhängigkeiten verfängt. Erst die glühenden Streicher werden die Seligkeit wieder zurückerobern.

Von Rafael Sala